Die Ortsteile

Karpfham

Vor 1100 Jahren wird Karpfham zum ersten Mal erwähnt. 903 wird es von König Ludwig dem Kind dem entstehenden Passauer Domkapitel geschenkt. Der Ort ist wahrscheinlich ursprünglich Fiskalgrund der jeweils bairischen Herrscher aus dem Erbe des untergegangenen Römischen Reiches. Ein Mann Namens Corbe (=Rabe) aus der Minderheit der romanischen Urbevölkerung wird im 7./8. Jahrhundert seinem "Heim" den Namen Corbheim gegeben haben.

Wie es sich für ein echtes bayerisches Dorf gehört, sind und waren Kirche und Pfarrei stets Mittelpunkt des Ortes und somit auch seiner Geschichte. Karpfham war eine Urpfarrei des Bistums Passau und umfasste damals auch die Gebiete von Kindlbach, Weng und sogar Griesbach. Das wohl herausragendste Ereignis in der Historie Karpfhams geht 1162 über die Bühne. Kein geringerer als Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen, besser bekannt als "Heinrich der Löwe", kam in Begleitung zahlreicher Bischöfe, Grafen und Adeliger auf eine "Wiese nahe Chorbheim", wie es in der Überlieferung heißt, um dort einen Landtag zu halten. Dabei wurde ein Güteraustausch zwischen dem Kloster Reichersberg und dem Grafen Perthold von Bogen rechtens gemacht.

Und die "Wiese nahe Chorpheim" ist noch heute bekannt: Jährlich findet dort das Karpfhamer Fest statt. Bayerns drittgrößtes Volksfest macht den Ort weit über seine Grenzen hinaus berühmt. Wenn rund 300.000 Besucher auf die historische Volksfestwiese strömen, wird der Vorort zum Zentrum. Bekannt ist das Fest vor allem für die einmalige Rottalschau mit über 45.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und dem einzigartigen Rottaler Zehnerzug.

Parzham

Unbeschreiblicher Jubel erfüllte den Petersdom in Rom, als Papst Pius XI. am 20. Mai 1934, dem Pfingstfest, die Heiligsprechung des Kapuzinermönches Bruder Konrad verkündete:

"...Der selige Konrad von Parzham ist ein Heiliger. Wir nehmen ihn auf in das Verzeichnis der Heiligen und bestimmen, dass sein Gedächtnis jährlich am 21. April zu begehen ist..." 60.000 Pilger hatten sich zu dieser Heiligsprechung in Rom versammelt. 19 Kardinäle sowie 60 Bischöfe und Äbte waren bei der Zeremonie zugegen. Besonders groß war die Freude bei den rund 5000 deutschen Pilgern und dreizehn Bischöfen, die unter Führung des Münchener Kardinals Faulhaber in die Ewige Stadt gereist waren. Das niederbayerische Rottal hatte einen Heiligen hervorgebracht: Ein Mann aus dem Volke, der Bauernsohn Johann Birndorfer aus dem Weiler Parzham bei Griesbach, war zur höchsten Würde katholischer Ehren gelangt. Mit dem Bruder-Konrad-Hof kann die Pfarrei Weng heute noch die einzig erhaltene Geburtsstätte eines Heiligen in Deutschland bieten.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.bruder-konrad-hof.de

Reutern

In Röhms "Das historische Alter der Diözese Passau" steht geschrieben: Das Dorf Reutern (Riutarn, Rautar, Reittorn) wird urkundlich zum ersten Male 1076 erwähnt.

In diesem Jahre betraute nämlich Bischof Altmann von Passau den Grafen Heinrich II. von Vornbach mit der Vogtei über die in Bayern gelegenen Besitzungen des neugegründeten Chorherrenstiftes St. Nikola und gab ihm für die Verbindlichkeiten, welche er mit diesem Amte übernahm, 12 Weinberge in Reutern, die seinem Schlosse Griesbach nahe lagen, zu Lehen. Gegen Ende des 12. Jhdts. findet man das Hochstift Passau in Reutern begütert. Auch die Mönche von Vornbach hatten Grundbesitz im Dorf selbst und in der Umgebung von Reutern. Allein diese Angaben beweisen, dass Reutern ein uralter Kulturort ist. Wenn schon im Jahre 1076 Weinberge verschenkt werden, so ist erwiesen, dass deren Anlegung schon in weiter zurückliegender Zeit erfolgt sein musste. Dass das Gebiet um Reutern schon in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen besiedelt war, beweisen zahlreiche steinzeitliche Funde.

In Gemeinsamer Arbeit haben die Bürgerinnen und Bürger von Reutern ihren Kirchenvorplatz verschönert. Auf dem Areal vor der spätgotischen Kirche mit dem spätromanischen Turm plätschert jetzt Wasser im neuen Brunnen, Wege sind neu angelegt und bei Dunkelheit beleuchten Strahler das Bauwerk.

Sankt Salvator

Am 7. November 1802 erschien der Oberrechnungsrat Puck, ein Hasser der Klöster, um die "Individuen", aber vor allem die Vermögenswerte des Stifts zu inventarisieren und für den Staat zu sichern. Als der Reichsdeputationshautschluss von 1803 die reichsgesetzliche Grundlage bot, wurde das Stift 500 Jahre nach seiner Entstehung aufgehoben.

Im Juli erschien Johann Christoph Freiherr von Aretin, untersuchte die Bibliothek und konfiszierte Bücher, anderes wurde verschleudert. Zwei Glocken wurden abgeholt. Die Goldschmiedearbeiten verschwanden. Das Konventsgebäude wurde als Brauhaus ebenso wie andere Gebäude verkauft, wodurch Menschen sich im Ort ansiedeln konnten. Dafür waren 34 Bedienstete arbeitslos. Die Chorherren versuchten eine neue Seelsorgestelle zu finden.

Die Stiftskirche war zu einer Nebenkirche fast ohne Seelsorge abgesunken. Bis in die 40er Jahre drohte ihr Abriss. Die Kinder mussten in die umliegenden Dörfer bis Uttlau in die Schule gehen. Bis hierher mussten die Menschen auch zu Fuß gehen, um die Sakramente empfangen zu können. Endlich 1834 gelang die staatliche Genehmigung einer Curat- und Schulstelle im jetzigen Pfarrhaus. Ein Priester hielt den Unterricht und einen Teil der Seelsorge. 1892 wurde eine neue Schule gebaut und 1893 ein Friedhof eingeweiht. Endlich 1902 bekam St. Salvator eine selbständige Schule und eine eigene Pfarrei. 2003 gedachte die Pfarrei und der Ortsteil dieser beiden wichtigen Daten in der Ortsgeschichte: 200 Jahre Säkularisation und 100 Jahre Pfarrei.

Weng

Neben der Wenger Pfarrkirche, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist, kann der Ortsteil mit einer weiteren Besonderheit aufwarten:

Am Eingang in ein Landschaftsgebiet von überwältigender Schönheit, der sogenannten "Neuen Welt", liegt die vielbesuchte Wallfahrtskirche St. Wolfgang. Idyllisch eingebettet in sattgrüne Wälder, blühende Wiesen und alte Obstbäume wartet die Wallfahrtskirche auf ihre Besucher.